SitZen in Stille – Was ist das überhaupt?
In spirituellen Traditionen, unterdessen auch in gesundheitlichen Angeboten, haben Meditationsübungen durchaus unterschiedliche Namen und Ausprägungen.
Das Herzstück der Übung der Stille ist das Nicht-Tun:
Die Wahrnehmung des Atems, der ohne unser Zutun ein- und ausströmt und
die Ausrichtung, die Öffnung für diesen Augenblick, JETZT,
in dem die Wirklichkeit unmittelbar erfahrbar ist, wenn wir alle Konzepte,
Gedanken, Gefühle und Urteile weglassen.
Wach und gegenwärtig … HIER sein.
Das ist einfach, aber nicht leicht.
Können Irritationen auftauchen?
Unbedingt, sie tauchen zu 100% auf. Macht aber nix …
Oft ähnelt unser Geist einem jungen Hund, wenn wir nicht gegenwärtig und
präsent sind und die Leine halten, geht er durch…
So wird uns unser Geist, kaum herrscht äußere Stille, mit Bildern, Vorstellungen, persönlichen Dramen, Geschichten und Vorlieben aller Art zu beschäftigen suchen.
Betriebsamkeit breitet sich aus. Projekte wollen geplant und Körperempfindungen analysiert werden, angenehme wie unangenehme Erinnerungen, Selbstbilder, Ideen können auftauchen.
Das kann durchaus lästig sein, auch und wenn uns die Inhalte all dessen
nicht ganz unbekannt sind.
Was also tun, wenn es doch um Nicht-Tun geht?
Wir üben uns im Gehirnputzen.
Wenn wir dabei Unangenehmes aufspüren, versuchen wir,
das nicht wegzuschieben sondern hinzuschauen und es offen zur Kenntnis zu nehmen.
Wir üben uns auch darin, überhaupt zu bemerken, womit wir uns oft ganz automatisch identifizieren, ohne dass es uns immer gut tut.
Insofern kann SitZen in Stille auch zum Weg der Selbsterkenntnis werden.
Gelegentliche Gespräche in der Runde oder, wenn gewünscht, auch einzeln können dabei behilflich sein, durch die jeweiligen Stolperfallen hindurch zu navigieren und womöglich an ihnen zu wachsen.
Was haben wir davon?
Nichts, was anders sein soll als es ist.
Oder, mit den Worten des Zen-Meisters Kodo Sawaki (1880-1965)
„Zen üben bedeutet,
ganz du selbst zu sein –
Hier und Jetzt. –
Ganz in diesem Moment zu sein.
Ganz eins zu sein mit dem,
was du tust.
An diesem Ort eins zu sein,
mit allen Aspekten des täglichen Lebens.“
Das, was ist, verändert sich ja ständig, ohne dass wir vorher bestimmen können, wie genau.
Wir können uns allerdings dem Lebens-Fluss zuwenden, ihn annehmen und vielleicht weniger
oder nicht mehr in Angst und Panik geraten, wenn wir nichts wissen.
Insofern stärkt SitZen in Stille unsere Widerstandskraft, wenn das Leben uns Herausforderungen serviert,
und lässt uns flexibler werden im Umgang mit den Anteilen des Lebens, die wir nicht kontrollieren können.
Vielleicht mag sich gar Leichtigkeit und Freude einstellen?
Gut und schön für 25 Minuten – aber den Rest der Woche???
Tja … Die Übung hört halt am Ende der Meditationssitzung nicht auf…
Sie geht weiter im Alltag und dem ist sowieso nirgendwo zu entkommen:
Treppensteigen, frühstücken, arbeiten, tanzen, diskutieren, wählen gehen, planen,
Befürchtungen spüren, sich freuen, etwas gestalten oder doof finden, Übung vergessen,
streiten, sich langweilen…
SitZen in Stille meint ja Bewusstheit ohne Inhalt, meint, statt Meinungen und
Ansichten zu folgen, mit den eigenen Beinen zu gehen (Sawaki).
Tun wir also das Unsere, gehen wir alle notwendigen tagtäglichen
Handlungsschritte – und überlassen wir uns dem Wirken der Stille
auf unserem Lebensweg.
Einen guten Tag!
